Reise blog von Travellerspoint

6. Urlaub in der Normandie

Oder die Erkundung der Region von Cidre, Calvados und Camenbert

hallo ihr Lieben,

Fünf Tage in der Normandie - das war eine Reise auf den Spuren gotischer Architekten, impressionistischer Maler, aber vor allem der jüngeren deutsch-französischen Geschichte, denn die Normandie war Schauplatz der Invasion der Nationalsozialisten und Landung der Alliierten, so stößt man vielerorts auf Denkmäler, Friedhöfe und Museen, die sich mit Krieg und Frieden auseinandersetzen. Wenn man an diesen Orten in sich geht hat man das Gefühl, der Vergangenheit ein Stück näher zu sein.
Und es war eine Reise der Fußmärsche! Die beste Art der Erkundung sind schließlich immer noch die eigenen zwei Beine - ich bin so geschafft dass ich erstmal Urlaub vom Urlaub vertragen könnte :-).

Tag 1 - Rouen
In die Hauptstadt der Normandie mit ihren vielen kleinen Gassen von bunten, schiefen und verwinkelten Fachwerkhäusern hab ich mich sofort verliebt! Bei meiner Ankunft hielt ich es allerdings für ein verschlafenenes Nest: alle Geschäfte hatten geschlossen und nicht einmal das Hotel war offen um den Rucksack abzustellen...
Als die Stadt ab 14:00 auf einmal zu geschäftigem Treiben erwachte wurde mir klar, dass es sich lediglich um die französische Siesta zu Mittagszeit gehandelt hatte!
In Rouen hat die Johanna von Orleans ihre letzten Tage verbracht und wurde auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. In dem ihr gewidmeten Museum erfuhr ich dann auch, dass die Deutschen einen etwas "merkwürdigen" Sinn für Romantik haben, so dass sie das einizige Volk sind was die Jungfrau als Kriegerin darstellte - diese Behauptung wurde natürlich mit entsprechenden Zeichnungen untermauert.

Tag 2 - Le Havre und Etretat
Le Havre wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und von einem betonliebenden Architekten neu konzipiert - warum das heute zum Weltkulturerbe gehört ist mir unverständlich. Der einzigen Charme, der die Stadt auszeichnet, ist der Flair des Hafens: Möwengeschrei, Wind, Sportboote und der Geruch von Salz und Meer in der Luft...
Daher war mein ursprünglicher Plan, den halben Tag in Etretat zu verbringen, ein kleiner idyllischer Küstenort mit einen malerischen Altstadt und beeindruckenden Felsformationen. Der Plan ging leider nicht auf, da die Busse nicht vom vorgesehenen Ort abfuhren, so dass ich statt mittags erst am frühen Abend loskam. Da reichte die Zeit grade noch um die Felsküste hinaufzusteigen, einmal tief durchzuatmen, sich um 360° zu drehen und auf den Auslöser der Kamera zu drücken, um dann zur Bushaltestelle zu eilen, wo der letzte Bus zurück nach Le Havre bereits wartete...

Tag 3 - Honfleur
Honfleur hat das Glück, nicht im Krieg zerstört worden zu sein - so ist die schöne Altstadt mit kleinen Gassen und malerischen Fassaden erhalten geblieben. Es ist die Stadt der Künstler, der Gallerien und Ateliers: Claude Monet und sein Lehrer Boudin haben hier immer wieder ihre Eindrücke in impressionistische Bilder umgestetzt, und noch immer bieten an jeder Ecke Maler ihre Bilder feil.
Vom Hügel aus hat man einen tollen Blick auf die Pont de Normandie sowie Le Havre auf der anderen Seite der Seinemündung - bei diesen tollen Aussichten spielte sogar das Wetter mit und schenkte mir einen blauen Himmel und einen leichten Sonnenbrand auf der Nase.
Mit ein paar anderern Eramsusstudenten, die ich am Vortag getroffen hatte, unternahm ich eine Bootstour, um die Pont de Normandie aus der Nähe zu bewundern - eine wahrliche beeindruckende Brücke, welche die Seine nahe ihrer Mündung überspannt und in Europa nicht ihresgleichen hat.

Tag 4 - Caen
Caen ist mir als Stadt der Bauwerke in Erinnerung geblieben - hier habe ich den alten Palast mitten im Zentrum besichtigt sowie zwei Klöster, außerdem gibt es wirklich an jeder Ecke eine Kirche. Würde ein Preis für die größte Dichte von sakralen Bauwerken verliehen werden, so wäre Caen sicher ganz weit vorne im Wettbewerb. Das eigentlich schöne an den Gebäuden ist aber ihr Material: der "Stein von Caen" hat eine wunderbar helle, beige, fast gelbliche Farbe, die sogar von der Luftverschmutzung unbeschadet bleibt.
Ein weiterer Höhepunkt war das Memorial, eine wirklich gut eingerichtete Gedenkstätte zu Krieg und Frieden. Zwar steht der zweite Weltkrieg und vor allem die deutsch-französische Konfrontation hier im Vordergrund, doch wird er in den gesamtgeschichtlichen Kontext bis zum Ende des kalten Krieges eingeordnet und legt den Schwerpunkt auf die Opfer auf allen Seiten, anstatt mit erhobebem Finger den Moralapostel zu miemen.

Tag 5 - Bayeux
In der beschaulichen Stadt Bayeux bin ich noch einige Stunden umhergebummelt, ehe es zurück in das riesige Moloch Paris ging. Der Ort ist bekannt für Stickerei, Spitze und beherbergt "La Tapisserie", einen 70m langen Wandteppich, der in 58 Bildern die Eroberung Englands darstellt - quasi ein 1.000 Jahre alter Comic!

So meine Lieben, das waren ein paar Eindrücke aus dem Land des Cidre, Calvados und Camenbert, eine Auswahl an Fotos findet ihr in der Gallerie.

Danke für euer Interesse,

eure Roni

Eingestellt von Roni_Paris 16:10 Archiviert in Frankreich Tagged backpacking

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