Reise blog von Travellerspoint

13. Besuchen und besuchen lassen

hallo ihr Lieben,

die letzte Woche war die Woche der M & Ms - nein, ich rede nicht von den kleinen Smarties mit der Erdnuss, sondern vielmehr von: Mont St. Michel, Saint-Malo, Mama und Mimi.......

Aber ich fang mal von vorne an. Vorletztes Wochenende habe ich eine zweitägige Exkursion in die Bretagne unternommen, zusammen mit meiner Mitbewohnerin Melanie und ihren Eltern, die gerade zu Besuch in Frankreich waren. Das Programm stellte eine angenehme Abwechslung aus Besichtigungen und Ruhepausen im Reisebus auf dem Weg zur nächstem Sehenswürdigkeit dar - und wer mich kennt weiß, dass ich unterwegs wunderbar schlafen kann.... :-)

M I: Saint-Malo
Die hübsche kleine Stadt ist wunderbar idyllisch an der Küste gelegen und beeindruckt mit ihrer alten Stadmauer entlang der Küste und der historischen Altstadt.

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Wir flanierten auf dem gelb-weißen Strand (man sieht es nicht auf dem Bild, aber er war wirklich gelb!) und ließen uns vom Wind ordentlich durchpusten.

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Die Ruinen des Fort National, auf einer kleiner Insel im Wattenmeer gelegen, waren zwar grad nicht zugänglich, aber sie sahen auch von außen sehr beeindruckend aus - vor allem nach einem kurzen Gewitter, als die Sonne wieder zum Vorschein kam und es beleuchtete.

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Die Kathedrale wirkt zwischen den kleinen, verwinkelten Straßen fast eingezwängt. Gleich eine Straße weiter reihen sich die Bäckereien aneinander um typische, fettgebackene Leckereien aus der Region feil zu bieten.

M II-III: der Mont St. Michel
Der Mont St. Michel gehört zu den meist besichtigsten Monumenten, was er sicher auch seiner beeindruckenden Lage auf einer Erhöhung mitten im Wattenmeer verdankt.

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Die Gezeiten sind hier so stark ausgeprägt wie sonst kaum anderswo - bei Flut steht das Wasser bist zur Straße, bei Ebbe blickt man in alle Richtungen nur auf das Wattenmeer. Wir hatten das Glück, bei einer Springflut vor Ort zu sein, so dass das Steigen und Sinken des Wassers besonders stark beeindruckend waren!

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Das kirchliche Bauwerk auf dem Mont ist total beeindruckend - ich sage "kirchliches Bauwerk", weil es sich tatsächlich nicht um eine Kirche, sondern um eine Ansammlung von Kirchen, Bauten und einem Kloster handelt, die alle mehr oder weniger übereinander gebaut wurden! Bei der Besichtigung kann man Stück für Stück die unterschiedlichen Bauepochen nachvollziehen, man beginnt mit dem jüngsten Teil, der Turmspitze, und arbeitet sich durch gothische und später romanische Säle und Treppen immer tiefer in das Innere des Monts und in seine Geschichte - beeindruckend!

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Zwei Aufnahmen von dem Blick, der sich einem bietet, wenn man sich dem Mont nähert.

Abgerundet wurde der Ausflug dann von den Cs: Cidre und Calvados. Wir haben eine Cidrérie besucht wo uns die Herstellung von Cidre (vergorener Apfelsaft), Calvados (destillierter Cidre, Apfelschnaps) und Pommeau (Calvados mit Apfelsaft, Apfellikör) erklärt wurde - nicht ohne eine kleine Probe für den Gaumen, versteht sich!

Die Tage unter der Woche sind eigentlich zu vernachlässigen - ich habe sie überwiegend mit meinem Computer verbracht, um meine Papiere für die Uni zu schreiben, oder mit der ein oder anderen Vorlesung. Spannend wurde es dann wieder zum Wochenende:

M VI-V: Mama und Mimi
Die beiden haben mich vier Tage in Paris besucht. Ausgerüstet mit viel Unternehmergeist, Mimi's Rollator und einem Packen Bus- und Bahnpläne haben wir die Stadt unsicher gemacht. Neben einigen Schauplätzen aus "Roni à Paris", wie meine Universität oder meine Wohung in Sèvres, gehörten auch Besichtigungen in Paris zum Programm. Ich habe mich als Reiseführer geübt (liebe zukünftige Besucher, ich bin jetzt in Übung!) und dabei noch ganz neue Blicke auf die Stadt werfen dürfen: einen Blick von der Terrasse des Centre Pompidou, einen Blick von einem Boot auf der Seine, oder der Blick auf wunderbar gearbeitete Vasen, Teller und Figuren im nationalen Keramikmuseum in Sèvres.....

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Aber nicht nur zu Fuß, sondern auch kulinarische waren wir auf Reise: vor dem absolut urigen Fonduerestaurant "Refuge des Fondues" stehen sich die Leute die Beine in den Bauch um einen engen Platz auf einer der Bänke zu ergattern und sich Wein aus Babyflaschen servieren zu lassen! Vervollständigt wird die Atmosphäre vom schrullig-grummelig-lustigen Inhaber, der einen fast schon rausschmeißt, ehe man die Fonduegabel abgelegt hat.... insgesamt ein Erlebnis!

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Zu den Besichtigungen gehörte der Place Stravinsky beim Centre Pompidou, der mit den frechen, bunten Figuren von Niki de Saitn-Phalle besticht, die sich unaufhörlich drehen und den Platz beleben.

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Nun gut, ein richtiges Touristenfoto von dem Besuch in Paris war natürlich unumgänglich.... :-)

Ich freu mich schon auf weiteres Besuchen und Besuchen lassen!!
eure Roni

Eingestellt von Roni_Paris 13:58 Archiviert in Frankreich Tagged living_abroad Kommentare (0)

12. Urlaub, Urlaub, Urlaub satt!!

oder wie man am besten zwei Wochen voller Aktivitäten plant

hallo ihr Lieben,

wenn man um sich herum wieder nur noch Französisch hört, wenn in der Bahn ein schrilles Läuten die Abfahrt ankündigt und die Leute starr aneinander vorbeisehen, wenn die Katze einem mijauend um die Beine streift und weiße Haare auf der schwarzen Hose hinterlässt.... dann weiß ich, ich bin wieder in Paris, und es ist ein bisschen wie nachhause kommen!
Meine zwei Wochen Osterferien waren vollgepackt mit tollen Aktivitäten, Begegnungen und Besichtigungen, von tollem Wetter gesegnet und absolut genial, ich hätte sie nicht besser verbringen können!! Einen herzlichen Dank allen Leuten die ich so gesehen habe für die tolle Zeit!!

Ostern in Ammersbek
Sobald das frühlingshafte Wetter eine leichte osterliche Stimmung in mir hervorrief, war damit untrennbar die Erinnerung an unser traditionnelles Osterbrunch daheim verbunden, und da wusste ich sofort, wo ich am liebsten die Feiertage verbringen wollte - in Ammersbek! Die Sonne belohnte meine weite Anreise mit kräftigen Strahlen, so dass wir zum ersten Mal auf der Terrase brunchen konnten. Mit Ostereiersuchen, in der Sonne sitzen, spazierengehen und dem Treffen einger Hamburger Freunde verging die Zeit auch wie im Flug.

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Wenn das kein Osterwetter ist - da fühlt sich sogar die Palme festlich wohl!

Kurzurlaub in Timmendorf
Anschließend ging es für zwei Tage an die Ostsee, wo in der Ferienwohnung von Papa und Anne richtig Urlaubsstimmung aufkam. Lange Strandspaziergänge eigneten sich herrlich dazu die Seele baumeln zu lassen oder aber die eine oder andere Efahrung in Frankreich mit ein bisschen Abstand zu reflektieren und sich all der Möglichkeiten und tollen Erfahrungen bewusst zu werden, die mir bisher beschieden waren.

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Sonne, Meer und Strand - was will man mehr??

NKK in Bielefeld
[kleiner Einschub für Nicht-AIESECer: NKK ist die nationale Kick-off Konferenz, das erste große Zusammentreffen der neuen lokalen Vorstände von AIESEC Deutschland].
Als ob ich noch nicht genug Glück hätte, war meiner Bewerbung für das Organisationsteam stattgegeben worden, und so verbrachte ich 5 Tage am Tagungsort um bei der Verwaltung der Finanzen und der Betreuung der Konferenzteilnehmer zu helfen. Es waren 5 tolle Tage mit viel Arbeit, viel Teamgeist, viel Konferenzspirit, dem Wiedersehen alter Freunde und Bekannter und viel Spaß....

Zwischenstopp I in Zürich
Dann ging es direkt weiter in die Schweiz, wo ich zwei Tage in Zürich verbracht habe (nochmal danke für die Unterkunft, Dominik!). Die Stadt hat eine tolle Lage am Zürichsee, umgeben von Bergen, und eine wunderschöne Altstadt am Fluß Limmat.

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Dieses Bild zeigt gleich zwei Seiten von Zürich: die hübsche Altstadt mit kleinen Gassen und den Patriotismus der Schweizer

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Die wohl größste Kirche Zürichs, das Großmünster, liegt direkt am Limmat

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Der Limmat fließt mitten durch die Altstadt und wird von vielen hübschen kleinen Brücken überspannt

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Ausblick nach gut einer Stunde Aufstieg auf den Uetliberg - natürlich darf die Flagge nicht fehlen

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der See lädt zum Segeln, Boot fahren, Baden ein...

Zwischenstopp II in Strasbourg
Um mich wieder langsam an die französische Lebensart zu gewöhnen, war Strasbourg der perfekte Übergang - geprägt von einer Geschichte in der die Stadt abwechselnd zu Frankreich und Deutschland gehörte, findet man überall von beiden Kulturen Spuren. Hier hatte ich das Glück bei Franzosen unterzukommen, mit denen ich interessante Diskussion über die Unterschiede der deutschen und französischen Kultur führen konnte.

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Ein Teil der Festungsanlage, die von Vaubon errichtet wurde - zurzeit leider von Bauarbeiten betroffen, und zwar schon seit über einem Jahr...

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Das ehemalige Gerberviertel "Petite France", in meinem Reiseführer noch als ruhige Oase beschrieben, wimmelt heutzutage von Touristen

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Ja, wie heißt die Straße denn nun? gilt der französische oder der elsässische Name?

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Das Menschenrechtsgebäude

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Das Europaparlament

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Das Europaparlament

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Der Blumenstand verkauft neben Blumen auch aromatisierten Kaffee und Tee - das nenn ich mal eine witzige Geschäftsidee!

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Die gotische Kathedrale ist beeindruckend groß und war über Jahre das höchste Gebäude Europas

So, von meinem Wochenendausflug in die Bretagne berichte ich im nächsten Eintrag, um meine Tastatur und eure Leseausdauer nicht übermäßig zu beanspruchen...

Küsschen, eure Roni

Eingestellt von Roni_Paris 13:27 Archiviert in Deutschland Kommentare (0)

11. wie die Zeit vergeht.....

...kaum zu glauben, dass ich schon zwei Monate hier bin!

hallo ihr Lieben,

hier ein paar Momente und Reflektionen aus der letzten Woche:

Eloquenz
ist gefragt, wenn man in Frankreich etwas erreichen will. Vor allem die Franzosen der besseren Kreise legen großen Wert auf einen gewählten Ausdruck, sie bedienen sich einer ganz eigenen From, einem bestimmten sprachlichen Code - wer über diesen nicht verfügt, wird in besserer Gesellschaft belächelt.
Aber auch andere soziale Gruppen haben ihre eigenen sprachlichen Eigenarten: Argon verwendet arabische Lehnwörter, hier wird ein Typ zum "Mec" und ein Mädchen zu "Nana". Im Verlon dagegen die Silben vertauscht, da wird eine Frau (femme) auf einmal zum "meuf", ein Foto zu "tof".... diese beiden Slangs werden vor allem von jungen Leuten und in den Vororten verwendet.
Tja, da sollte ich mich nicht wundern, wenn ich mich noch ein bisschen schwer tue mit der französischen Sprache und in der Metro manchmal kein Wort meiner Sitznachbarn verstehe.... aber es geht voran, langsam aber sicher!

Persistenz
beweisen die Streikenden in Paris. Sie bedienen sich des Wortspiels G(rêve) générale, rêve bedeutet Traum. Allerdings könnte der Traum von einer besseren Hochschule zum Alptraum für die Studenten werden, falls das gesamte Semester nicht gewertet wird - was zum Glück bisher noch nicht spruchreif ist. Uns Erasmusstudenten wurde auf jeden Fall zugesichert, eine Bestätigung über die erfolgreiche Teilnahme der Kurse zu bekommen.
Interessant finde ich, dass bei dem Kampf gegen die Autorität immer wieder auf bereits bekannte Sprüche und Symbole vom Mai 1968 zurückgegriffen wird, oder aber auf bekannte Zitate: Hier ein paar Beispiele:

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"Ich denke, also bin ich - beim Streik dabei!"

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"Unter dem Pflaster der Sand" - dieser Satz symbolisierte 1968 den Kampf für mehr Freiheit und motivierte die Demonstranten, Pflastersteine aus der Straße zu reißen um sie nach Polizisten zu werfen. Darunter steht: "die besten Erinnerungen von Nanterre"

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"Die Regierung bewegt sich nicht - wir machen weiter!" Auch 1968 wurden die Streikenden mit "la lutte continue" zum Durchhalten aufgefordert...

Aber nicht nur die Studenten und Professoren streiken! Ich habe ja Augen (oder vielmehr Ohren) gemacht, als ich Dienstag morgen Radio France Info einschaltete und statt der Nachrichten nur die Ansage erhielt, auf Grund des Streikes könne das Programm nicht durchgeführt werden, es würde höflichst gebeten die daraus entstehenden Unnahnnehmlichkeiten zu entschuldigen.....

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Hier wird gestreikt! Im Vordergrund eine Velib-Station - dort kann man Fahhräder ausleihen.

Intelligenz
wird so langsam an der Uni verlangt um innerhalb von 2 Monaten ein Semester nachzuholen. Das heißt, ich habe jetzt 5 schriftliche Arbeiten anzufertigen und im Mai abzugeben, zusätzlich zu zwei Klausuren - da bin ich ja mal gespannt, wie das zu schaffen ist. Vor allem weil darunter Gruppenarbeiten sind und sich ziemlich hinziehen... Nun ja, aber der verpasste Stoff muss ja irgendwie nachgeholt werden, darum zitierte uns eine Professorin sogar am Samstag zur Vorlesung.

Hier ein paar Bilder von der Uni - mit dem Grün sieht sie eigentlich ganz einladend aus, aber lasst euch nicht täuschen: sobald man sich einem der Gebäude nähert oder betritt, bekommt man einen ganz anderen Eindruck...

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Rechts im Bild ist die Mensa der Uni - für 3,00 Euro bekommt man hier ein Menu

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Das sind die Gebäude A-C, hier habe ich einige Kurse

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Die Rechtsgebäude und davor eine nicht zugängliche Grünfläche

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Blick auf die Grünflächen vom Schwimmbad aus - sobald die Sonne raus kommt sind diese von Studenten bevölkert

Präsenz
habe ich letzte Woche mal wieder bei diversen kulturellen und sportlichen Veranstaltungen zeigen dürfen.
Zum Beispiel in den Kinosälen, um mir die Dokumentation "Ghosts de la cité soleil" oder den Spielfilm "Gran Torino" anzusehen, die beide zu empfehlen sind.
Oder aber, um an einem Tanzabend auf dem Campus teilzunehmen, wo es wirklich beeindruckende Aufführungen von Studenten gab, orientalischer Tanz, Hip Hop, Jazz, Salsa, afrikanische Rhythmen... absolut mitreißend! Ich habe mich allerdings davor gedrückt, mit meinen schon geübteren Kollegen aus dem Hip Hop Kurs auf die Bühne zu steigen....
Sportlich war auf jeden Fall der Marathon von Paris mit über 30.000 Läufern - wenn man die erschöpften aber glücklichen Gestalten sieht, die die Ziellinie überqueren, bekommt man richtig Lust sich selbst mal so eine Herausforderung zu stellen..... Nein, das war kein Commitment!!

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Der Zieleinlauf - 4,5 Std. nach Beginn treffen die Nachzügler ein - sie können stolz sein, angekommen zu sein!

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Auf der Zielgraden hielten die Läufer auf den Triumphbogen zu - wenn das kein Motivationsschub ist!

Lenz
ist ja bereits in Paris eingezogen! Von seiner schönsten Seite zeigt sich der Frühling an einem sonnigen Sonntag im Garten, und so bin ich ein wenig durch "Jardin des Plantes" gebummelt und habe die Farben und die Sonnenstrahlen genossen.

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Frühlingshaft geblümt

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Blick auf das Gebäude, das die Gallerie der Evolution beherbergt

So ihr Lieben, jetzt bin ich erstmal gut zwei Wochen auf Reisen! es geht über Hamburg und Timmendorf nach Bielefeld, und anschließend nach Zürich, Straßburg, Mont St. Michel und St. Malo..... also falls ich mich vor meiner Rückkehr nach Paris am 27. 04. nicht bei euch melden sollte - keine Sorgen machen, es geht mir gut!!

Ich wünsche euch allen ein ganz frohes Osterfest!!

eure Roni

Eingestellt von Roni_Paris 07:00 Archiviert in Frankreich Tagged living_abroad Kommentare (0)

10. Savoir Vivre

ja ich lebe noch - oder genauer: ich lerne gerade erst, richtig zu leben!

Hallo ihr Lieben,

10 Tage ohne Blogeintrag - das heißt nicht, dass es hier nichts zu erzählen gab, sondern vielmehr, dass ich zu beschäftigt war, um einen neuen zu schreiben! Ich habe die berühmte französische Lebensart genossen, das "Savoir Vivre" - wie sich das gestaltet? hier ein paar Eindrücke:

Savoir Travailler - die Kunst, zu arbeiten

Oder auch, sich darum zu drücken.
Was passiert, wenn zwei Franzosen und eine Deutsche zusammen ein Referat vorbereiten sollen? Eine Chronik:
6. März - Erstes Treffen: die Gliederung wird erstellt und die Aufgaben verteilt. Ich schicke anschließend eine Bibliographie rum, die mich fast drei Stunden Recherche gekostet hat.
13. März - zweites Treffen: ich stelle vor, was ich zu meinem Thema erarbeitet habe. Meine Kommilitonen finden das gut und erklären, zum nächsten Treffen ihren Teil zu recherchieren. Anschließend gehen wir zusammen in die Stadt, Kaffee trinken.
20. März - Drittes Treffen: wir treffen uns bei McDonalds, wo wir fast eine Stunde verbringen. Anschließend gehen wir eine halbe Stunde in die Bibliothek. Ich habe eine Powerpoint erstellt, weil das Referat für zwei Tage später angesetzt ist. Meine Folien der Powerpoint werden von einem Kommilitonen begutachtet und für gut befunden, vor allem die klare Struktur wird gelobt :-). Mein anderer Kommilitone bereitet währenddessen ein anderes Referat vor. Beide erklären, ihre Folien am nächsten Tag zu erstellen.
31. März: die Powerpoint ist immer noch nicht fertig. Das Referat wurde auf Grund des Streiks auf unbestimmte Zeit verschoben.

Apropos Streik: Zurzeit finden drei meiner acht Veranstaltungen tatsächlich statt. Die restlichen Professoren sind angesichts des fortdauernden Protestes, der bisher nur unbedeutende Zugeständnisse von seiten der Politiker bewirkt hat, zu einer alternativen Unterrichtsform übergegangen: Statt Präsenzveranstaltungen bekommen wir das Seminar in Papierform: Zur Klausurvorbereitung gibt es Texte zu lesen, Referate werden durch schriftliche Arbeiten ersetzt. Das hat zwar den Vorteil, dass ich meine Kurse voraussichtlich trotz des Streikes absolvieren kann, aber den Nachteil, dass ich statt in der Vorlesung nun zuhause oder in der Bibliothek sitze, in ständiger Begleitung von einm Textmarker, einem Wörterbuch und meinem Laptop. Viel zu kurz kommt bei dieser Arbeitsweise leide die Begleitung von Kommilitonen und Professoren, das Lauschen der französischen Sprache sowie das praktizieren derselbigen - eine Situation, die mich insgesamt höchst unzufrieden stimmt. Um französische Texte zu lesen und zu schreiben, muss man schließlich nicht nach Frankreich kommen.

Dafür habe ich die freie Zeit genutzt, mcih auf einer Tourismusmesse über die jüngsten Entwicklungen meines vermutlich zukünftigen Berufsfeldes schlau zu machen und endlich meine Praktikumsbewerbungen - sechs Stück - abzuschicken. Zuvor hatte sich eine Bekannte einen Nachmittag Zeit genommen, um die Motivationsschreiben mit mir zu überarbeiten und zu korrigieren. Jetzt heißt es abwarten und Tee - Verzeihung, Kaffee - trinken!

Savoir Découvrir - die Kunst, auf Entdeckung zu gehen

Zusammen mit meiner Mitbewohnerin Melanie habe ich an einem organisierten Ausflug in die Umgebung von Paris teilgenommen. Die Tour umfasste den Besuch des hübschen Schlosses Fontainebleau, wo Napolean Bonaparte eine zeitlang residierte, sowie einen Stopp im malerischen Künstlerort Barbizon und einen Aufenthalt in Milly la Fôret (wobei ich nicht verstanden habe warum, es gab in diesem letzten Ort wirklich nichts Sehenswertes...).

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Der Schlossgarten von Fontainebleau - der blaue Himmel täuscht, es war bitterkalt!!

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Das Schloss Fontainebleau: hier residierte unter anderem Napoleon Bonaparte

Savoir Acueillir - die Kunst, Gäste zu empfangen

Darin durfte ich mich letzte Woche üben! Vor einer Woche hat Tabea auf dem Weg nach Südafrika hier einen Zwischenstopp eingelegt. Wir haben zusammen ein paar Sehenswürdigkeiten abgeklappert, überteuerten Kaffe geschlürft, den Eiffelturm bei Nacht bestaunt, ein Einkaufszentrum unsicher gemacht und das Pariser Metro-Ticket-System überlistet...

Am Wochendende hat mich David besucht - drei Tage geballtes Pariser Leben! Zu den Höhepunkten des Besichtigungsmarathons gehörten das Viadukt der Künste (wo uns ein Öko-Künstler sein Handwerk erklärte), der Louvre (wo uns die Mona Lisa anlächelte) und das Schloss Versailles (wo der Sonnenkönig etwas arrogant von seinem Sockel auf uns herabblickte)...

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Auf dem Weg nach Sèvres

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Unter den Bögen des Viaduktes sind kleine Gallerien und Künstlerateliers eingerichtet

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Auf dem Viadukt ist ein Garten angelegt, erhoben über den Straßen von Paris kann man gleichzeitig das Grün und den Ausblick genießen!

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Blick auf eine angrenzende Straße vom Viadukt aus

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Zu Gast beim Sonnenkönig Ludwig XIV. in Versailles

Savoir Dîner - die Kunst, zu speisen

Das Abendessen hat hier eine große Bedeutung: es wird sehr spät eingenommen und besteht aus mehreren Gängen, natürlich begleitet von einer Flasche Rotwein. Im Kreise meiner internationalen Bekannten hat sich hier mittlerweile ein wahrer Wettbewerb der Kochkünste entwickelt:
Den Auftakt mache die spanischer Küche: eine Bekannte lud ein zu Tortilla, Schinken und Krebscreme.
Die Herausforderung wurde von der Cuisine Française angenommen und - im Zuge einer Abschiedsfeier - von einer riesigen Käseplatte, Blätterteigteilchen und Muskat beantwortet.
Dem sollte die deutsche Küche natürlich in nichts nachstehen, und so baten Melanie und ich zu Tisch um Kartoffelsalat, Frikadellen und Bratapfel zu servieren - begleitet von einem kühlen Bier, versteht sich.
Die jüngste Herausforderung kam von der Schweiz, die im Restaurant "Refuges des Fondues" mit Käse- und Fleischfondue aufwartete, begleitet von Wein in Babyflaschen - angeblich um die Steuer zu umgehen, die auf den Verkauf in Gläsern erhoben wird.
Und der Wettbewerb bleibt spannend, denn es haben sich bereits Irland und der Libanon als die nächsten Ausrichter angekündigt....

...bis zum nächsten Eintrag,
es drückt euch eure Roni

Eingestellt von Roni_Paris 09:41 Archiviert in Frankreich Tagged living_abroad Kommentare (0)

9. Frühling in Paris!!

zumindest für ein paar Tage

hallo ihr Lieben,

ich habe ihn so herbeigesehnt, und in der letzten Woche hat er uns wunderbar mildes Wetter und einen strahlend blauen Himmel geschenkt: der Frühling! Das musste ich natürlich ausnutzen:

Auf Haussmann's Spuren bei Frühlingswetter
Haussmann ist der Architekt, der im 19. Jahrhundert Paris völlig neu entwarf und die großen Prachtboulevards anlegte, denen viele mittelalterliche verwinkelte Gassen und Häuser zum Opfer vielen - was dazumal viel Widerstand erzeugte. Heute sind Straßen wie die Champs Élysées nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Wie mit einem Lineal gezogen verbindet die Champs Élysées und die Rue de Rivoli in einer Linie den Arc de Triomphe, den Louvre und die Place de la Bastille - eine Strecke, die ich unbedingt zu Fuß ablaufen wollte! Bei meinem ersten Versuch habe ich mich - ganz frau :-) - allerdings von den Kleidungsgeschäften der Champs Élysées ablenken lassen - die sind allerdings total überteuert und werden vorzugsweise von unwissenden Touristen frequentiert.
Mein zweiter Versuch war dann erfolgreicher:

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Der "kleine Palast", fotografiert durch ein Kunstwerk von der gegenüberliegenden Straßenseite.

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Wie, ihr dachtet die Doppeldecker gibt es nur in London??

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Das Rathaus

Nach soviel Besichtigungen war natürlich eine Pause nötig! Da es im Jardin des Tuiléries, vor dem Louvre, aber keine freien Stühle mehr gab, habe ich mich auf dem Rasen niedergelassen und das Treiben um mich herum beobachtet: Liebespärchen, Leseratten, Picknickliebhaber und verspielte Kinder... hätte sich nicht irgendwann der Schatten des Louvre über mich geworfen und zum Frösteln gebracht, hätte ich bis in die Nacht dort sitzen bleiben können...

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Schade - kein Platz an der Sonner mehr frei!

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Ruhepäuschen

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Hier fand 1789 der brühmte Sturm auf die Bastille statt

Praktikumssuche auf dem Balkon
Ja ja, so langsam sollte ich mich damit beschäftigen, was ich im Sommer mache... bzw. ich hätte es schon längst tun sollen. Nachdem ich anfänglich naiverweise glaubte, dabei Rat und Unterstützung von meiner Universität zu bekommen, habe ich diese Hoffnung mittlerweile aufgegeben.
Ich suche ein Praktikum im Tourismus oder in der Kulturvermittlung, und nach Stunden der Internetrecherche (auf unserem Balkon :-)) habe ich eine Liste interessanter Angebote... Jetzt heißt es "nur noch" Lebenslauf und viele Motivationsschreiben auf französisch zu verfassen... welch Glück, dass eine liebe Kommilitonin mir bereitwillig alle Texte kritisier und korrigiert! Dafür bring ich ihr etwas Englisch bei. Und dann heißt es nur noch hoffen, dass die Anmerkung "Muttersprache Französisch" in den Stellenausschreibungen nicht allzu ernst gemeint war....

Päuschen auf dem Campus
Doch, tatsächlich, ab und zu bin ich auch an der Uni - auch wenn nach wie viele Veranstaltungen nicht stattfinden. Der Campus ist zwar riesig und hässlich, aber immerhin hat er (auch erst seit kurzem) ein paar Grünflächen, die sich wunderbar eignen um dort seinen migebrachten Couscous oder ein Baguette von der "Boulangerie" zu verzehren und sich seinen Unitexten zu widmen....
...oder auch um Generalversammlungen, kurz "AG" genannt, abzuhalten und gegen die Hochschulpolitik zu wettern. Während ich den rhetorischen Darbietungen verschiedener Redner lauschte, hatte ich das Gefühl, in den Mai '68 versetzt zu werden, in die Zeit der französischen Studentenrevolte: soviele Parallelen gibt es zwischen den Forderungen von damals und heute, dass man sich fragen kann, was sich eigentlich verändert hat...

Demonstration im Sonnenschein
Heute habe ich eine 5-stündige, geführte Stadttour durch die großen Straßen von Paris mitgemacht!

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Startpunkt: Place de la République

Ich, und mehrere tausend Franzosen. Heute war Generalstreik, begleitet von einer allgemeinen Demonstration - allgemein im wahrsten Sinne des Wortes: auf der Straße tummelten sich die unterschiedlichsten Typen und Gruppen, von Professoren und Studenten über Sozialarbeiter bis hin zu illegalen Einwanderern. Sie alle nutzen die Gelegenheit, das Wort zu ergreifen, auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen und ihren Unmut gegenüber der wenig sozialen Politik von "Sarko", wie der Stattspräsident hier von allen genannt wird, auszudrücken.
Dabei scheinen sich Politik, Kultur und Kommerz zu vermischen: Plakate und Aufkleber deklarieren "die Universität ist kein Unternehmen", "der Kampf geht weiter" (in Anspielung an die 68er) oder "wir zahlen nicht für eure Krise". Natürlich nutzen die linken Parteien und die neue antikapitalistische Partei die Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen um Flugblätter zu verteilen und Wähler zu gewinnen. Das ganze Spektakel wird begleitet von einer Atmosphäre, die an ein Volksfest erinnert: Musik und Tröten klingen in den Ohren, an der ein oder anderen Ecke wird getanzt und umso später der Nachmittag, umso mehr manifestiert sich ein Geruch von Bier und ein Hauch von Marihuana in der Luft.

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"Nein zur Müll-Uni und zum Wegwerf-Diplom"

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Ob die Demonstration die gewünschte politische Wirkung hat, bleibt abzuwarten - aber zumindest die Wirtschaft kann sich die Hände reiben. Oder, genauer gesagt, die Gastronomie: die zahlreichen Stände die Würstchen, Sandwiches und Bier verkauften, haben sicher ein gutes Geschäft gemacht.

So, das soll's für heute gewesen sein, sonnige Grüße aus Paris,

eure Roni

Eingestellt von Roni_Paris 14:33 Archiviert in Frankreich Tagged living_abroad Kommentare (0)

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